Diese Frage wird mir inzwischen immer wieder gestellt. Nutzt du KI-Bilder für deine Kunden? Generierst du viel mit künstlicher Intelligenz?
Die kurze Antwort: Ja, ich nutze KI. Aber deutlich anders, als man vielleicht vermuten würde.
Die Situation kennt vermutlich jeder, der gestaltet: Ein Kunde braucht einen Flyer, ein Plakat oder eine Website – aber es gibt noch kein Fotoshooting und damit kein eigenes Bildmaterial. Früher hätte man hier zu Stockfotos gegriffen, heute liegt der Griff zur Bildgenerierung nahe. Ich mache trotzdem etwas anderes.
Ich kenne natürlich die verschiedenen Tools, die inzwischen auf dem Markt sind – von Adobe Firefly, das direkt in den Adobe-Programmen integriert ist, bis hin zu anderen Bildgeneratoren und natürlich ChatGPT oder Gemini. Gerade wenn man ein entsprechendes Abo hat, kann man inzwischen aus verschiedenen Modellen auswählen, unterschiedliche Bildformate und Auflösungen nutzen und teilweise Bilder bis hin zu 4K generieren.
Technisch ist das schon ziemlich beeindruckend. Trotzdem ist die KI-Bildgenerierung für mich nicht der erste Schritt.
Mein eigenes Bildarchiv ist meine wichtigste Quelle
Ich versuche bei Kundenprojekten zunächst immer, mit meinen eigenen Bildern zu arbeiten.
Über die Jahre hat sich bei mir eine ziemlich große Bildbibliothek angesammelt. Und genau die nutze ich sehr gerne. Ein großer Vorteil dabei ist für mich die rechtliche Sicherheit: Es sind meine eigenen Bilder, und ich weiß, woher sie kommen.
Meine Bilder liegen inzwischen vor allem in einer Cloud-Lösung, in der ich entsprechend viel Speicher gebucht habe. Die Bilder werden dort automatisch analysiert und mit zahlreichen Merkmalen versehen. Das ist für meine Arbeit erstaunlich praktisch.
Ich kann beispielsweise nach „Hamburger“ suchen und bekomme Bilder von Hamburgern angezeigt, die ich irgendwann einmal fotografiert habe. Ich kann nach Restaurant, Architektur, Landschaft oder Stadt suchen. Die Erkennung ist natürlich nicht immer perfekt – bei „Stadt“ erkennt das System eher, dass es sich um eine städtische Umgebung handelt, als um welche konkrete Stadt es geht. Auch Personen lassen sich über die Gesichtserkennung zuordnen.
Dadurch finde ich relativ schnell passendes Material für Kundenprojekte – und dieses Material stammt eben aus meinem eigenen Archiv.
Der nächste Schritt: Mein Foto plus KI
Wenn mein eigenes Bild noch nicht genau das ist, was der Kunde benötigt, kommt für mich der nächste Schritt: Ich nehme mein Ausgangsmaterial und bearbeite es mit KI weiter.
Das kann beispielsweise bedeuten, dass ich ein Bild erweitere, Elemente verändere oder bestimmte Bereiche neu generieren lasse. Auch beim klassischen Retuschieren nutze ich inzwischen KI. Früher hätte ich ein störendes Objekt vielleicht aufwendig mit dem Stempelwerkzeug entfernt. Heute lasse ich solche Dinge teilweise von der KI erledigen. Das spart Zeit und funktioniert inzwischen erstaunlich gut.
Allerdings habe ich gerade bei der Retusche auch die Erfahrung gemacht, dass nicht jedes Standard-KI-Tool automatisch gute Ergebnisse liefert. Manche Anwendungen verändern Dinge, die eigentlich gar nicht verändert werden sollten, oder erzeugen einen Look, der schnell künstlich wirkt. Bei spezialisierten Tools funktioniert das teilweise deutlich besser.
Und erst danach kommt das komplett generierte Bild
Erst an dritter Stelle steht für mich die vollständige Bildgenerierung.
Natürlich kann man heute fast alles beschreiben und sich daraus ein Bild generieren lassen. Aber genau da merkt man auch sehr schnell: Je weniger Informationen man gibt, desto austauschbarer wird das Ergebnis.
Wenn ich beispielsweise eine Person generieren möchte, reicht es nicht, einfach zu schreiben: „Erstelle ein realistisches Portrait einer Frau.“ Dann bekomme ich meistens genau das, was man inzwischen tausendfach gesehen hat.
Interessanter wird es, wenn ich das Bild sehr genau beschreibe: Wie soll die Haut aussehen? Soll sie perfekt sein oder darf sie Poren, Falten und Sommersprossen haben? Wie fällt das Licht? Gibt es eine einzelne Haarsträhne, die aus der Frisur heraussteht? Wie nah ist die Kamera an der Person? Welche Brennweite soll der Look haben – 35 Millimeter, 50 Millimeter, 85 Millimeter? Close-up oder Weitwinkel?
Und dann kommt natürlich noch die Frage nach dem eigentlichen Bildlook. Je genauer die Beschreibung, desto stärker kann ich das Ergebnis beeinflussen.
Das ist übrigens auch ein großer Teil dessen, was einem inzwischen in zahlreichen KI-Kursen vermittelt wird: nicht einfach irgendeinen Prompt schreiben, sondern lernen, ein Bild möglichst präzise zu beschreiben. Wer sich mit Brennweiten und ihren Looks auskennt, ist dabei klar im Vorteil.
Aber auch rechtlich muss man genau hinschauen
Gerade im professionellen Umfeld ist das für mich ein wichtiger Punkt.
Wenn Personen, Marken oder bestimmte Motive ins Spiel kommen, muss man sich genau anschauen, welche Rechte man an einem generierten Bild tatsächlich besitzt und unter welchen Bedingungen man es kommerziell verwenden darf. Nicht jedes Tool und nicht jedes Modell funktioniert hier automatisch gleich.
Deshalb würde ich gerade für Kundenprojekte nicht einfach irgendeinen kostenlosen Bildgenerator verwenden und anschließend davon ausgehen, dass damit automatisch alle rechtlichen Fragen geklärt sind. Man sollte wissen, welches Tool man verwendet, welche Nutzungsbedingungen gelten und welche Rechte man am Ergebnis erhält.
Perfekt ist langweilig
Ich bin von der reinen KI-Bildgenerierung inzwischen sogar wieder ein bisschen weggekommen.
Am Anfang war ich natürlich genauso begeistert wie viele andere. Man gibt ein paar Worte ein und plötzlich entsteht ein Bild, für das man früher ein Model, ein Studio, Licht, Location, Stylist, Fotograf und jede Menge Zeit gebraucht hätte. Wow.
Aber irgendwann hat mich dieser Effekt nicht mehr so stark beeindruckt. Vielleicht auch deshalb, weil man inzwischen sehr viele KI-Bilder sieht. Und viele davon sehen sich erstaunlich ähnlich: perfekte Haut, perfektes Licht, perfekte Gesichter, perfekte Situationen. Technisch beeindruckend – aber irgendwann auch ein bisschen langweilig.
Natürlich lässt sich das umgehen. Mit den richtigen Prompts bekomme ich auch unperfekte Bilder: sichtbare Poren, schiefes Licht, ein unaufgeräumter Hintergrund, eine Person, die nicht wie aus dem Katalog aussieht. Das ist technisch längst kein Problem mehr. Es kickt mich gerade nur einfach nicht.
Ich arbeite deshalb viel lieber mit echten Bildern. Mit Bildern, die tatsächlich passiert sind. Mit echten Menschen, echten Locations und echten kleinen Unperfektheiten.
Mein Workflow sieht deshalb ungefähr so aus
Wenn ich für einen Kunden Bildmaterial benötige, gehe ich normalerweise in dieser Reihenfolge vor:
- Mein eigenes Archiv. Zuerst schaue ich, ob ich bereits ein passendes Foto habe.
- Mein eigenes Foto plus KI. Wenn das Bild grundsätzlich passt, aber verändert, erweitert oder retuschiert werden muss, nutze ich KI als Werkzeug innerhalb des bestehenden Bildes.
- Komplett generiertes Bild. Erst wenn ich kein geeignetes Ausgangsmaterial habe, lasse ich ein Bild vollständig generieren.
Und manchmal ist die beste Lösung überhaupt keine KI. Sondern ein Fotoshooting.
Gerade wenn ein Kunde ein ganzes Portfolio an Bildern benötigt, empfehle ich deshalb nach wie vor sehr häufig, tatsächlich zu fotografieren. Denn am Ende ist es für viele Kunden etwas anderes, ob sie echte Bilder von ihrem Unternehmen, ihren Mitarbeitern, ihren Produkten und ihrer Umgebung haben – oder Bilder, die zwar perfekt aussehen, aber nie wirklich existiert haben.
KI ist für mich deshalb kein Ersatz für Fotografie. Sie ist ein Werkzeug innerhalb meiner Fotografie. Und genau so setze ich sie auch ein.
Echte Bilder für dein Unternehmen?
Wenn du Bildmaterial für Website, Social Media oder Kampagne brauchst: Wie ein Business-Shooting abläuft, steht auf der Leistungsseite – ein Beispiel aus der Praxis ist Car Service Schmidt. Bei Websites gilt bei mir dasselbe Prinzip: Technik und Texte entstehen mit KI-Unterstützung, das Design mache ich von Hand – und die Fotos sind echt.