Ich fotografiere eigentlich am liebsten mit Festbrennweiten.
Und das meine ich wirklich so. Wer meine Arbeit kennt, weiß, dass Festbrennweiten seit Jahren ein fester Bestandteil meiner fotografischen Handschrift sind. Ich liebe die Lichtstärke, die unterschiedlichen Looks und vor allem die Tatsache, dass mich eine Festbrennweite dazu zwingt, mich zu bewegen.
Trotzdem liegt seit Kurzem ein 24-70 mm in meiner Fototasche.
Und während ich beim Joggen darüber nachgedacht habe, ob ich diesen Schritt eigentlich wirklich machen möchte, wurde mir irgendwann klar: Das eine schließt das andere überhaupt nicht aus.
Denn gerade bei bestimmten Jobs – vor allem bei Blitzfotografie, Businessfotografie und inszenierter Sportfotografie – bietet mir ein 24-70 mm Möglichkeiten, die ich mit Festbrennweiten zwar ebenfalls abdecken kann, aber nicht immer genauso schnell.
Und genau darum geht es in diesem Artikel.
Als Fotograf in Dresden arbeite ich mit sehr unterschiedlichen Situationen
Als Fotograf in Dresden bin ich in ganz unterschiedlichen Bereichen unterwegs. Von Sportfotografie über Portraitfotografie und Businessfotografie bis hin zu Konzert- und Theaterfotografie sind die Anforderungen an meine Ausrüstung teilweise komplett unterschiedlich.
Bei einem Auftrag kann ich mich frei bewegen und jede Perspektive suchen. Bei einem anderen stehe ich vielleicht an einer festen Position. Bei einem Basketballspiel muss ich mit wenig Licht und schnellen Bewegungen umgehen. Bei einem Business-Shooting ist dagegen das Licht kontrolliert und jeder Ablauf planbar.
Und genau diese Unterschiede sind für mich der Grund, warum ich mittlerweile nicht mehr versuche, eine einzige Objektivart für alles einzusetzen.
Warum Festbrennweiten für mich immer noch die erste Wahl sind
Meine Liebe zu Festbrennweiten hat einen ziemlich einfachen Grund: Sie machen mich zu einem aktiveren Fotografen.
Wenn ich mit einer 35-mm-Festbrennweite fotografiere und einen anderen Bildausschnitt möchte, kann ich nicht einfach am Zoomring drehen. Ich muss mich bewegen. Ich muss näher ran. Ich muss weiter weg. Ich muss vielleicht auf den Boden gehen oder einen Schritt zur Seite machen. Und manchmal muss ich eine Perspektive einnehmen, die ich mit einem Zoomobjektiv gar nicht gewählt hätte.
Genau das finde ich spannend. Eine Festbrennweite gibt mir eine bestimmte Perspektive vor – und innerhalb dieser Einschränkung muss ich kreativ werden. Das ist für mich kein Nachteil. Das ist der kreative Vorteil.
Festbrennweiten erzeugen Perspektiven, die man sich erarbeiten muss
Gerade in der Sportfotografie finde ich diesen Gedanken besonders wichtig. Wenn ich einen Basketballer fotografiere, möchte ich nicht immer einfach nur einen sauberen Ausschnitt produzieren. Ich möchte Dynamik. Ich möchte Nähe. Ich möchte manchmal extrem tief fotografieren.
Vielleicht gehe ich mit der Kamera fast auf Höhe des Hallenbodens und fotografiere den Spieler von unten. Die Schuhe werden plötzlich riesig, der Körper wirkt länger und der Sportler bekommt eine ganz andere Präsenz. Oder ich gehe sehr nah an das Motiv heran und arbeite bewusst mit einem weiten Blickwinkel.
Diese Bilder entstehen nicht dadurch, dass ich am Zoomring drehe. Sie entstehen dadurch, dass ich meine Position verändere. Und genau diese Art zu fotografieren ist ein Teil meines persönlichen Stils geworden.
Die Lichtstärke ist für mich ein entscheidender Punkt
Neben der Perspektive gibt es noch einen sehr praktischen Grund, warum Festbrennweiten bei mir weiterhin eine so große Rolle spielen: Lichtstärke.
Gerade bei Hallensport und Sportfotografie in dunklen Sporthallen ist lichtstarkes Glas für mich enorm wichtig. Wenn ich einen Sportler in Bewegung fotografiere, brauche ich kurze Verschlusszeiten. Gleichzeitig möchte ich die ISO nicht unnötig hochdrehen. Und natürlich möchte ich auch die Möglichkeit haben, mit geringer Schärfentiefe zu arbeiten und mein Motiv vom Hintergrund zu lösen.
Eine lichtstarke Festbrennweite bietet mir dafür genau die Möglichkeiten, die ich suche. Deshalb wird sich an meiner grundsätzlichen Vorliebe auch nichts ändern: Festbrennweiten bleiben für mich das wichtigste Werkzeug. Das 24-70 mm ersetzt sie nicht.
Warum ich mir dann trotzdem ein 24-70 mm gekauft habe
Die Antwort darauf liegt vor allem bei einem bestimmten Bereich: Blitzfotografie.
Denn sobald ich mit kontrolliertem Licht arbeite, verändert sich meine Arbeitsweise. Nehmen wir einen Basketball Media Day. Der Spieler steht vor mir. Die Blitze sind aufgebaut. Die Lichtformer stehen an ihrer Position. Der Hintergrund ist definiert. Das Licht ist kontrolliert.
Ich muss also nicht mehr zwingend durch die Halle laufen und nach dem vorhandenen Licht suchen. Ich habe ein Set. Und innerhalb dieses Sets kann ich jetzt mit unterschiedlichen Brennweiten spielen. Genau hier wird ein 24-70 mm plötzlich ziemlich interessant.
24-70 mm bei Blitzfotografie: Geschwindigkeit trifft Kreativität
Stell dir vor, ich fotografiere einen Basketballspieler mit Blitz. Ich gehe sehr tief und arbeite zunächst mit 24 oder 35 Millimetern. Ich kann eine extrem dynamische Perspektive erzeugen. Der Spieler wirkt groß. Die Schuhe werden prominent. Der Raum bekommt mehr Bedeutung.
Dann möchte ich ein klassisches Portrait. Ich drehe auf 70 Millimeter. Fertig.
Ich muss kein Objektiv wechseln. Ich muss nicht zur zweiten Kamera greifen. Ich muss nicht mein Licht neu aufbauen. Ich kann innerhalb von Sekunden eine komplett andere Bildwirkung erzeugen. Und genau das ist der Punkt, an dem ich das 24-70 mm inzwischen wirklich zu schätzen weiß.
Mit Festbrennweiten könnte ich das natürlich genauso machen
Das ist mir wichtig zu sagen. Natürlich kann ich einen Basketball Media Day auch komplett mit Festbrennweiten fotografieren. Das habe ich schließlich jahrelang gemacht. Ich könnte eine 35 mm auf der einen Kamera haben und eine 85 mm auf der anderen. Dazu vielleicht noch eine weitere Festbrennweite in der Tasche. Damit kann ich genauso unterschiedliche Bilder produzieren. Und wahrscheinlich würde ich auch weiterhin sehr viele Situationen genau so fotografieren.
Der Unterschied liegt für mich in der Geschwindigkeit. Wenn ich mit Blitz arbeite und mein Licht bereits steht, kann ich mit einem 24-70 mm innerhalb kürzester Zeit sehr viele unterschiedliche Perspektiven und Bildausschnitte erzeugen. Und das kann bei einem kommerziellen Shooting ein echter Vorteil sein.
Businessfotografie ist ein gutes Beispiel
Gerade in der Businessfotografie gibt es Situationen, in denen ich nicht nur ein klassisches Portrait machen möchte. Ein Kunde braucht vielleicht ein Headshot. Dann ein Halbportrait. Dann ein Ganzkörperbild. Dann eine Aufnahme, die etwas mehr Umgebung zeigt. Vielleicht brauche ich ein Motiv für eine Website, ein anderes für Social Media und wieder ein anderes für eine Kampagne.
Mit einer Festbrennweite kann ich das selbstverständlich alles fotografieren. Aber mit einem 24-70 mm kann ich innerhalb meines Licht-Setups sehr schnell zwischen verschiedenen Bildausschnitten wechseln. Und genau dafür sehe ich den größten Nutzen.
Portraitfotografie bleibt für mich trotzdem Festbrennweiten-Terrain
Bei klassischer Portraitfotografie werde ich wahrscheinlich weiterhin sehr häufig zur Festbrennweite greifen. Warum? Weil ich dort die Zeit habe, mich mit meinem Motiv auseinanderzusetzen. Ich kann die Position verändern. Ich kann den Abstand zum Menschen bewusst wählen. Ich kann mit dem Hintergrund spielen. Ich kann die Perspektive suchen. Und ich kann mir genau überlegen, wie ich die Person darstellen möchte.
Das ist eine ganz andere Arbeitsweise als bei einem schnellen Blitzshooting. Und genau deshalb möchte ich die beiden Dinge gar nicht gegeneinander ausspielen.
Auch Konzert- und Theaterfotografie stellen andere Anforderungen
Bei Konzert- und Theaterfotografie kommt noch ein weiterer Faktor dazu: Ich kann mich nicht immer bewegen, wie ich möchte. Im Theater kann ich nicht während einer Szene plötzlich auf die Bühne laufen, nur weil ich eine andere Perspektive brauche. Bei einem Konzert gibt es ebenfalls häufig feste Positionen oder Bereiche, aus denen fotografiert werden darf. Und gleichzeitig passiert alles sehr schnell. Ein Musiker bewegt sich ins Licht. Ein Schauspieler dreht den Kopf. Ein bestimmter Moment entsteht.
Da kann es natürlich helfen, eine flexible Brennweite zur Verfügung zu haben. Aber auch hier gilt für mich: Wenn das vorhandene Licht schwierig wird, sind lichtstarke Festbrennweiten nach wie vor extrem wichtig. Gerade bei Konzerten und Theater können die Lichtverhältnisse so herausfordernd sein, dass ich die zusätzliche Lichtstärke einer Festbrennweite sehr zu schätzen weiß.
Zwei Kameras bleiben für mich trotzdem wichtig
Mein Grundprinzip mit zwei Kameras möchte ich deshalb auch nicht aufgeben. Zwei Bodies geben mir die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Brennweiten sofort verfügbar zu haben. Das ist gerade bei Sport, Events und Konzertfotografie unglaublich praktisch. Wenn ich beispielsweise eine Kamera mit einem Weitwinkel und eine zweite mit einem längeren Objektiv nutze, habe ich zwei komplett unterschiedliche Perspektiven sofort griffbereit.
Das 24-70 mm erweitert dieses System für mich einfach um eine weitere Möglichkeit. Es muss nicht immer entweder Festbrennweite oder Zoom sein. Es kann auch heißen: Festbrennweite auf Kamera eins, 24-70 mm auf Kamera zwei. Oder eben eine komplett andere Kombination – abhängig vom Auftrag.
Meine Vintage-Objektive gehören ebenfalls zu meinem Setup
Ein weiterer Bestandteil meiner Ausrüstung sind meine Vintage-Objektive. Ich nutze dafür unter anderem FTZ-Adapter, um ältere Objektive an meinen Nikon-Z-Kameras zu verwenden. Und auch hier geht es mir wieder um den Look.
Moderne Objektive sind technisch fantastisch. Aber ich mag es, wenn ein Objektiv einen eigenen Charakter mitbringt. Wenn die Schärfe nicht klinisch wirkt. Wenn Haut etwas weicher wiedergegeben wird. Wenn Kontraste anders aussehen. Wenn ein Bild etwas cremiger wirkt. Gerade in der Portraitfotografie und bei inszenierten Business- oder Sportportraits kann dieser Look für mich sehr interessant sein. Deshalb werde ich auch weiterhin gerne mit älterem Glas arbeiten.
Das 24-70 mm verändert meine fotografische Handschrift nicht
Das war wahrscheinlich meine größte Überlegung beim Kauf. Ich wollte nicht, dass ein Zoomobjektiv plötzlich meine Art zu fotografieren verändert. Aber mittlerweile sehe ich das anders: Ein Werkzeug verändert nicht automatisch die eigene Bildsprache. Ich entscheide immer noch, wie ich fotografiere.
Wenn ich mich bewegen möchte, bewege ich mich. Wenn ich einen ungewöhnlichen Winkel suche, suche ich ihn. Wenn ich mit einer lichtstarken Festbrennweite in einer dunklen Sporthalle fotografieren möchte, nehme ich meine Festbrennweite. Und wenn ich bei einem kontrollierten Blitzshooting innerhalb weniger Sekunden verschiedene Brennweiten brauche, nehme ich das 24-70 mm. Das eine widerspricht dem anderen nicht.
Festbrennweite vs. 24-70 mm – für mich keine Glaubensfrage
Ich glaube, genau hier liegt der Denkfehler bei vielen Diskussionen über Festbrennweiten und Zoomobjektive. Es wird häufig gefragt: Was ist besser? Für mich ist das die falsche Frage. Die bessere Frage ist: Was möchte ich fotografieren und welche Bedingungen habe ich dabei?
Eine Festbrennweite gibt mir Lichtstärke, einen charakteristischen Look und zwingt mich zur Bewegung. Ein 24-70 mm gibt mir Flexibilität und Geschwindigkeit. Ein 70-200 mm bringt wiederum ganz andere Möglichkeiten mit. Keines dieser Objektive muss das andere ersetzen.
Warum ich Festbrennweiten trotzdem immer bevorzugen werde
Wenn ich heute meine Fototasche packe und nicht weiß, was mich erwartet, werde ich wahrscheinlich trotzdem zuerst an meine Festbrennweiten denken. Das liegt nicht nur an der Technik. Es liegt an meiner Art zu fotografieren.
Ich mag es, mir meine Perspektiven zu erarbeiten. Ich mag es, mich zu bewegen. Ich mag extreme Blickwinkel. Ich mag lichtstarkes Glas. Und ich mag den Look, den bestimmte Festbrennweiten erzeugen. Vor allem bei der Sportfotografie in dunklen Hallen möchte ich diese Möglichkeiten nicht missen.
Festbrennweiten sind und bleiben deshalb ein Teil meiner fotografischen Handschrift. Das 24-70 mm ist keine Abkehr davon.
Mein Fazit: Das 24-70 mm ist eine Ergänzung, kein Ersatz
Ich habe mir das 24-70 mm also nicht gekauft, weil ich meine Festbrennweiten plötzlich für überflüssig halte. Ganz im Gegenteil: Ich werde sie weiterhin bevorzugen. Aber ich habe festgestellt, dass es Situationen gibt, in denen ein Zoomobjektiv genau die Flexibilität bietet, die ich brauche.
Vor allem bei Blitzfotografie, bei Basketball Media Days, Teamfotografie, Businessfotografie und kontrollierten Portraitshootings kann ich mit 24-70 mm sehr schnell zwischen unterschiedlichen Bildwirkungen wechseln:
- 24 Millimeter für die dynamische Perspektive.
- 35 Millimeter für etwas mehr Umgebung.
- 50 Millimeter für einen natürlicheren Bildausschnitt.
- 70 Millimeter für das enge Portrait.
Und das alles, ohne das Objektiv zu wechseln.
Für mich ist das keine Aufgabe meiner Festbrennweiten-Philosophie. Es ist eine Erweiterung. Die Festbrennweite bleibt meine Handschrift. Das 24-70 mm ist das Werkzeug, das ich dann aus der Tasche hole, wenn Flexibilität und Geschwindigkeit beim Blitzshooting wichtiger werden.
Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis, die ich mir beim Joggen über meine Ausrüstung erarbeitet habe: Man muss sich als Fotograf nicht für ein System entscheiden. Man muss nur wissen, wann welches Werkzeug die eigene Art zu fotografieren unterstützt.