Daniel Madlung, Fotograf aus Dresden, mit Nikon Z Kamera

Manchmal kommt einem ein Gedanke an einem völlig unspektakulären Ort. Bei mir war es heute Morgen beim Frühstück.

Nebenbei lief ein Video von Stefan Wiesner auf YouTube. Es ging – wie so oft bei ihm – um Neuigkeiten aus der Fotowelt, neue Kameras, Objektive und das, was sich gerade auf dem Markt tut. Diesmal ging es unter anderem um neue Canon-Zoomobjektive, die mit einer durchgehenden Offenblende von f/2 kommen sollen. Zunächst waren dabei vor allem die Konstruktionen beziehungsweise 3D-Ansichten der Objektive zu sehen.

Und während ich mir das angeschaut habe, kam mir plötzlich ein Gedanke: Warum gibt es so etwas eigentlich noch nicht für Nikon? Genauer gesagt: Warum gibt es kein 50–150 mm f/2 für Nikon Z?

Denn genau so ein Objektiv könnte für meine Art zu fotografieren ziemlich interessant sein.

Sony hat bereits vorgemacht, wie spannend das sein kann

Für Sony gibt es mit dem 50–150 mm f/2 bereits ein Objektiv, das ziemlich genau in diese Richtung geht. Und ich kann gut nachvollziehen, warum dieses Objektiv von vielen Fotografen so gefeiert wird.

50 bis 150 Millimeter bei durchgehend f/2. Das ist eine ziemlich außergewöhnliche Kombination.

Für Sportfotografie ist der Brennweitenbereich interessant. Für Portraits sowieso. Bei Events kann man damit ebenfalls unglaublich viel anfangen. Und auch im Business-Bereich gibt es genügend Situationen, in denen 50, 85, 105 oder 135 Millimeter genau die Brennweiten sind, die man gerne zur Verfügung hat.

Eigentlich deckt dieses eine Objektiv einen riesigen Teil dessen ab, was ich als Fotograf regelmäßig brauche. Und genau deshalb finde ich die Idee so spannend.

Ich fotografiere Sport ohnehin mit zwei Kameras

Dabei geht es mir gar nicht darum, dass ich bei einem Sportevent ständig Objektive wechseln müsste. Das mache ich ohnehin nicht.

Wenn ich Sport fotografiere, arbeite ich mit zwei Kameras. Auf einer Kamera steckt beispielsweise ein 24er oder 35er, auf der anderen eine 50er-, 85er- oder 135er-Festbrennweite. So habe ich unterschiedliche Brennweiten gleichzeitig zur Verfügung und kann sehr schnell zwischen zwei Perspektiven wechseln.

Ein 50–150 mm f/2 würde also für mich nicht einfach das Objektivwechseln ersetzen. Es würde etwas anderes verändern. Und genau das finde ich interessant.

Ich mag Festbrennweiten – gerade weil sie mich einschränken

Ich fotografiere sehr gerne mit Festbrennweiten. Nicht obwohl sie mich einschränken, sondern weil sie mich einschränken.

Wenn ich beispielsweise ein 85er auf der Kamera habe, dann habe ich eben 85 Millimeter. Ich kann nicht einfach auf 70 oder 100 Millimeter drehen. Also muss ich mich mit diesen 85 Millimetern auseinandersetzen. Ich bewege mich. Ich gehe näher ran. Ich gehe weiter weg. Ich verändere meinen Standpunkt. Ich suche einen anderen Hintergrund. Ich warte auf einen Moment, der mit dieser Perspektive funktioniert.

Und genau das empfinde ich als unglaublich kreativ.

Das habe ich am Wochenende wieder gemerkt, als ich mein 24–70 mm ausprobiert habe. Eigentlich ist das ein fantastisches Objektiv. Es kann 24. Es kann 35. Es kann 50. Es kann 70. Und genau darin liegt für mich manchmal das Problem.

Ein Zoom kann mich dazu verleiten, mich weniger zu bewegen

Ich ertappe mich bei einem Zoomobjektiv relativ schnell bei folgendem Gedanken: „70 Millimeter wären jetzt eigentlich besser.“ Also drehe ich. Dann sehe ich eine Situation, bei der 50 Millimeter besser funktionieren würden. Also drehe ich wieder. Vielleicht brauche ich etwas mehr Umgebung. Wieder drehen.

Und plötzlich habe ich zwar sehr viele Möglichkeiten, aber ich nutze diese Möglichkeiten nicht unbedingt kreativ. Ich verändere die Brennweite, anstatt meine Position zu verändern.

Das ist natürlich kein Problem des Objektivs. Im Gegenteil: Genau dafür ist ein Zoom schließlich da. Aber ich merke bei mir selbst, dass ich mit einer Festbrennweite häufig bewusster fotografiere. Und deshalb finde ich die Vorstellung eines 50–150 mm f/2 so spannend: Ich könnte beides miteinander verbinden.

Nicht ständig zoomen – sondern bewusst die Brennweite wechseln

Dabei meine ich ausdrücklich nicht, dass ich ein 50–150 auf 85 Millimeter stelle und dann den ganzen Tag ausschließlich mit 85 Millimetern fotografiere. Und genauso wenig meine ich: „Heute fotografiere ich mit 50. Morgen mit 85. Übermorgen mit 150.“ Nein, so würde ich das nicht nutzen.

Ich stelle mir eher eine konkrete Situation vor. Ich bin in einer Sporthalle und fotografiere zunächst mit 85 Millimetern. Dann laufe ich vielleicht zehn Minuten durch die Halle und suche meine Motive mit genau dieser Brennweite. Ich bewege mich. Ich suche Perspektiven. Ich beobachte, wie das Licht fällt. Ich warte auf bestimmte Situationen.

Und irgendwann verändert sich mein Blick auf die Situation. Vielleicht möchte ich jetzt näher an das Geschehen heran und einzelne Momente stärker isolieren. Dann stelle ich auf 135 oder 150 Millimeter. Und dann fotografiere ich wieder bewusst mit dieser Brennweite – vielleicht zehn Minuten, vielleicht zwanzig. Ich laufe herum und suche meine Bilder mit 150 Millimetern.

Später sehe ich vielleicht eine Situation, bei der ich mehr Umgebung zeigen möchte. Also gehe ich auf 50 Millimeter. Und wieder beginnt die Suche.

Die Brennweite verändert sich – aber nicht beliebig. Sie verändert sich, weil ich mich fotografisch für eine andere Perspektive entscheide. Das ist für mich ein großer Unterschied zum ständigen Herumzoomen.

Voraussetzung: Man muss die Looks der Brennweiten kennen

Damit das funktioniert, braucht es allerdings eine Sache, die man nicht kaufen kann: Man muss wissen, wie die einzelnen Brennweiten aussehen.

Ein 50er zeichnet anders als ein 85er. Ein 135er komprimiert den Hintergrund ganz anders als ein 50er, die Gesichtsproportionen verändern sich, die Distanz zum Motiv fühlt sich anders an, der Raum wird anders erzählt. Wer diese Looks nicht im Kopf hat, dreht am Zoomring, bis der Ausschnitt irgendwie passt – und nimmt dabei die Brennweite, die zufällig herauskommt.

Genau dieses Wissen lernt man mit Festbrennweiten. Wer jahrelang mit einem 35er, einem 85er und einem 135er unterwegs war, weiß vorher, wie das Bild aussehen wird. Man stellt sich die Perspektive vor, bevor man die Kamera ans Auge nimmt. Man entscheidet sich für 85 Millimeter, weil man den Look von 85 Millimetern will – nicht, weil der Ausschnitt gerade passt.

Und erst mit diesem Wissen wird ein Zoom wie ein 50–150 zu dem Werkzeug, das ich mir vorstelle: Ich wähle nicht einen Ausschnitt, ich wähle einen Look. Das ist der Unterschied zwischen Zoomen und bewusstem Brennweitenwechsel – und deshalb glaube ich, dass Festbrennweiten die beste Schule sind, um später ein solches Objektiv richtig zu nutzen.

Und dann wird f/2 richtig interessant

Jetzt kommt der zweite Punkt hinzu, der mich an diesem Konzept so reizt: die durchgehende Blende von f/2.

Denn wenn ich ehrlich bin, fotografiere ich mit meinen Festbrennweiten nicht permanent bei Offenblende. Natürlich liebe ich den Look eines 85ers bei f/1.8 oder f/1.4. Aber es gibt viele Situationen, in denen ich bewusst auf f/2 oder f/2.8 abblende. Mehr Schärfentiefe kann schließlich auch ein Gestaltungsmittel sein.

Und dann wird ein 50–150 mm f/2 plötzlich ziemlich interessant. Denn bei 50, 85, 105, 135 und 150 Millimetern hätte ich immer noch f/2 zur Verfügung. Ich hätte also nicht nur die Flexibilität eines Zooms, sondern gleichzeitig die Lichtstärke und Freistellung, die ich von einer lichtstarken Festbrennweite gewohnt bin.

Und genau da beginnt für mich die Frage: Wie viele Festbrennweiten würde ich dann eigentlich noch wirklich brauchen?

Ein Objektiv für Sport, Portrait, Event und Business

Wenn ich meine verschiedenen fotografischen Bereiche betrachte, wird die Sache noch interessanter.

  • Als Sportfotograf könnte ich mit 50 Millimetern eine Situation etwas weiter erzählen und mit 135 oder 150 Millimetern einzelne Momente isolieren.
  • Als Eventfotograf könnte ich zwischen einer etwas näheren Reportageperspektive und stark verdichteten Momenten wechseln.
  • Als Businessfotograf hätte ich 85 oder 105 Millimeter für natürliche Portraits und könnte gleichzeitig flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren.
  • Als Portraitfotograf hätte ich praktisch einen kompletten Bereich von 50 bis 150 Millimetern zur Verfügung.

Das ist schon ziemlich mächtig. Und dabei reden wir noch gar nicht darüber, dass man mit 150 Millimetern bei f/2 einen ziemlich speziellen Look erzeugen kann.

Genau deshalb wundert mich, dass Nikon so etwas noch nicht anbietet

Und hier komme ich zu meinem eigentlichen Wunsch: Warum gibt es so ein Objektiv nicht für Nikon Z?

Natürlich gibt es inzwischen auch für Nikon interessante lichtstarke Zooms von Drittanbietern. Ein 35–150 mm f/2–2.8 ist beispielsweise bereits erhältlich. Aber ein konsequentes 50–150 mm f/2 durchgehend wäre noch einmal etwas anderes. Ich könnte mir vorstellen, dass genau so ein Objektiv für viele Fotografen unglaublich interessant wäre.

Natürlich wäre es groß. Natürlich wäre es schwer. Und natürlich wäre es teuer. Das ist bei einem solchen Objektiv wahrscheinlich unvermeidbar: 50 bis 150 Millimeter, durchgehend f/2, Autofokus, hohe optische Qualität – das ist eine Menge Glas, das bewegt werden möchte.

Aber genau deshalb wäre es für mich auch kein Objektiv, das ich kaufen würde, weil ich ein möglichst leichtes Setup haben möchte. Ich würde es kaufen, weil es unglaublich viele fotografische Möglichkeiten in einem Objektiv vereint.

Vielleicht ist genau das für Nikon sogar ein Problem

Und dann kommt noch ein Gedanke dazu. Vielleicht ist so ein Objektiv für einen Hersteller gar nicht unbedingt ideal.

Denn wenn ich ein 50–150 mm f/2 besitze, brauche ich meine 85er-Festbrennweite vielleicht tatsächlich weniger. Vielleicht bleibt auch das 105er häufiger zu Hause. Vielleicht brauche ich mein 70–200er in manchen Situationen nicht mehr. Und vielleicht überlege ich mir bei einem Shooting tatsächlich zweimal, welche anderen Objektive ich überhaupt noch mitnehmen muss.

Für den Fotografen ist das natürlich ziemlich attraktiv. Für einen Hersteller könnte es dagegen bedeuten, dass ein einziges Objektiv mehrere andere Objektive teilweise überflüssig macht. Ob das tatsächlich ein Grund ist, warum Nikon ein solches Objektiv bisher nicht gebaut hat, weiß ich natürlich nicht. Aber der Gedanke ist interessant.

Das 50–150 wäre für mich kein Ersatz für Festbrennweiten

Trotzdem glaube ich nicht, dass ich meine Festbrennweiten komplett verkaufen würde. Dafür fotografiere ich zu gerne mit ihnen. Ich mag dieses Gefühl, eine Brennweite auf der Kamera zu haben und mich darauf einzulassen. Ich mag es, mich bewegen zu müssen. Ich mag die Einschränkung. Denn genau diese Einschränkung führt manchmal dazu, dass ich Bilder mache, auf die ich mit einem Zoom vielleicht gar nicht gekommen wäre.

Ein 50–150 mm f/2 würde diese Arbeitsweise für mich aber nicht zerstören. Es würde sie erweitern. Ich könnte mich bewusst für 85 Millimeter entscheiden und damit durch eine Halle laufen. Dann könnte ich irgendwann sagen: Jetzt möchte ich 150 Millimeter. Und wieder würde ich mich auf diese Perspektive einlassen. Später vielleicht: Jetzt möchte ich 50 Millimeter. Und wieder würde ich mich bewegen und nach Bildern suchen.

Der entscheidende Punkt wäre für mich also nicht „Ich kann zoomen“, sondern: „Ich kann meine Brennweite bewusst neu wählen, wenn sich meine fotografische Idee verändert.“

Vielleicht ist das die perfekte Mischung

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau darin der Reiz eines solchen Objektivs liegen würde.

Festbrennweiten geben mir eine Einschränkung. Zoomobjektive geben mir Flexibilität. Ein 50–150 mm f/2 könnte beides miteinander verbinden. Ich könnte flexibel zwischen verschiedenen Brennweiten wechseln, ohne ständig das Objektiv wechseln zu müssen. Aber ich könnte trotzdem ganz bewusst sagen: Jetzt fotografiere ich mit 50. Jetzt fotografiere ich mit 85. Jetzt möchte ich 135. Und dann arbeite ich mit dieser Brennweite, bewege mich und suche meine Bilder.

Nicht ständig zoomen. Sondern bewusst die Perspektive wechseln. Genau das wäre für mich der Unterschied.

Also, Nikon: Baut es bitte

Vielleicht ist das am Ende auch einfach ein persönlicher Wunsch. Aber wenn Nikon eines Tages ein 50–150 mm f/2 für das Z-System ankündigen würde, wäre ich vermutlich ziemlich schnell hellhörig. Denn für meine Arbeit als Sport-, Event-, Business- und Portraitfotograf wäre dieses Objektiv eine verdammt interessante Kombination.

Ich bräuchte deshalb nicht weniger Kameras. Ich würde wahrscheinlich auch nicht alle meine Festbrennweiten verkaufen. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass bei einem solchen Objektiv die eine oder andere Festbrennweite häufiger zu Hause bleiben würde.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ein Zoom wirklich interessant wird: Nicht weil es mir die Bewegung abnimmt. Sondern weil es mir erlaubt, meine fotografische Entscheidung immer wieder neu zu treffen.

Jetzt muss Nikon nur noch jemandem zuhören.

50–150 mm. f/2. Durchgehend. Ich wäre dabei.

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