Ich bin Digital Designer, Fotograf und Webdesigner in Dresden. Und natürlich frage ich mich, ob KI irgendwann Teile meines Jobs übernimmt.
Die ehrliche Antwort: Ja, an einigen Stellen tut sie das bereits.
Das sehe ich aber nicht grundsätzlich als Bedrohung. KI ist für mich vor allem ein Werkzeug, das bestimmte Aufgaben schneller und einfacher macht. Entscheidend ist für mich, was ich daraus mache.
Vom Gestalter zum Art Director
Immer häufiger kommen Kunden mit Dingen zu mir, die sie selbst mit KI erstellt haben. Ein Logo, ein Plakat, eine Bildidee. Dann geht es oft gar nicht mehr darum, dass ich etwas komplett neu gestalte, sondern um die Frage: „Ist das gut? Kann man das so verwenden?“
Damit verschiebt sich meine Rolle ein Stück weit vom klassischen Gestalter zum Art Director.
Ich schaue mir an, ob die Gestaltung zur Marke passt, ob die Typografie funktioniert, ob etwas zu viel ist oder ob wichtige Dinge fehlen. Auch rechtliche Fragen spielen eine Rolle. Und manchmal ist die Lösung ganz einfach: andere Schrift, weniger Symbole, etwas mehr Ruhe.
Gerade bei KI-generierten Plakaten sehe ich inzwischen häufig einen gewissen Einheitslook. Technisch sieht vieles gut aus, aber wenn alle dieselben Werkzeuge verwenden, entstehen schnell ähnliche Ergebnisse.
KI kann gestalten. Aber sie weiß nicht automatisch, was für einen bestimmten Kunden wirklich richtig ist.
Webdesign verändert sich besonders stark
Im Webdesign ist der Wandel für mich noch deutlicher. Einfache Websites lassen sich heute mit KI sehr schnell entwickeln. Texte können überarbeitet, Layouts erstellt und komplette HTML-Seiten gebaut werden.
Das spart Zeit und kann Websites für Kunden günstiger machen.
Wenn ein Unternehmen seine Website nur ein- oder zweimal im Jahr verändert, braucht es meiner Meinung nach nicht unbedingt ein komplexes CMS. Eine sauber aufgebaute HTML-Seite kann völlig ausreichen.
Die eingesparte Entwicklungszeit bedeutet für mich nicht, dass meine Arbeit weniger wert wird. Sie verändert sich. Ich kann mich stärker um Gestaltung, Konzeption und die Anforderungen des Kunden kümmern, während KI einen Teil der technischen Arbeit übernimmt.
Bei Fotografie bin ich entspannter
Bei der Fotografie sehe ich die Sache etwas anders.
Natürlich kann KI inzwischen beeindruckende Bilder erzeugen und aus vorhandenen Fotos sehr viel herausholen. Aber wenn ich ein Event fotografiere, dokumentiere ich etwas, das tatsächlich stattgefunden hat.
Die KI kann ein plausibles Bild davon erzeugen. Sie kann aber nicht wissen, wie dieser konkrete Moment wirklich aussah.
Und je mehr künstlich erzeugte Bilder wir sehen, desto wichtiger könnte genau diese Authentizität werden: ein echtes Unternehmen, echte Menschen und echte Situationen. Wie ich das im Alltag handhabe, steht in einem eigenen Beitrag: Wie stehe ich eigentlich zu KI-generierten Bildern?
Ich werde KI weiter nutzen
Ich möchte KI nicht vermeiden. Im Gegenteil. Ich nutze sie bereits und werde sie auch weiterhin nutzen – beim Webdesign, bei der Ideenentwicklung, bei Texten und in vielen anderen Bereichen.
Aber ich möchte die Gestaltung nicht einfach der Maschine überlassen.
Wenn KI mir zwanzig Entwürfe liefert, muss ich immer noch entscheiden, welcher davon funktioniert. Und manchmal ist keiner davon gut genug.
Vielleicht werde ich in Zukunft also weniger Zeit mit der reinen Produktion verbringen und mehr mit Auswahl, Konzeption und Art Direction.
Das sehe ich nicht als Verlust meines Berufs, sondern als Veränderung.
KI wird meinen Beruf verändern. Aber gestalten muss am Ende immer noch jemand.
Einen Blick von außen auf deine Gestaltung?
Du hast etwas mit KI entworfen und bist unsicher, ob es so funktioniert? Genau das schaue ich mir gern an – für Grafikdesign genauso wie für Websites. Schreib mir kurz, worum es geht.